Tutorial: Der Key ist der Schlüssel

Es folgt ein kurzes Intro - wer keinen Bock auf meine Hinführung zur Thematik hat, sollte direkt zu Punkt 1 wechseln. Für alle Anderen: einer meiner Mentoren sagte immer, man könne zehn DJs dieselben 100 Tracks vorgeben und es würden zehn komplett verschiedene Abende werden. Ich teile diese Ansicht. Und das ist keinesfalls etwas Schlechtes. Häufig führt das dazu, dass man etwas voneinander lernt oder - im schlimmsten Fall - merkt, wie man es auf keinen Fall machen würde. Grundsätzlich würde ich immer unterschreiben, dass es natürlich darauf ankommt, wie die Leute oder Gäste drauf sind, dass es darum geht, die Stimmung hochzuhalten und nicht wichtig ist, wie technisch sauber man arbeitet. Da reicht es manchmal einfach viele Tracks zu spielen, die einfach jeder kennt.


Trotzdem ist die Frage, ob das reicht, ob damit der Anspruch an die eigene Arbeit erfüllt ist. Bei mir nicht. Ich habe das dringende Bedürfnis immer besser zu werden. Ich will kein David Guetta oder so sein, ich will nicht produzieren, aber ich will richtig gerne richtig gut auflegen können. Und ich persönlich würde sagen, dass man immer etwas dazu lernen kann. Egal, wie gut man schon sein mag.


In meiner Wahrnehmung ist eine der am Häufigsten außer Acht gelassenen Dinge, das sogenannte harmonische Mixen. Was bedeutet das überhaupt? Grundsätzlich hat jeder Song einen sogenannten Key, zu deutsch eine Tonart. Dieses Tutorial zeigt auf, wie man den Key möglichst exakt ermitteln kann, was einem das überhaupt bringt und wie man damit arbeiten kann. Jede DJ-Software bringt einige Analyse-Tools mit, die unter Anderem in der Lage sind, die Tonart eines Songs zu ermitteln. Jedes Programm hat dafür einen eigenen Algorithmus und was viel schlimmer ist, eine eigene Art & Weise der Bezeichnung. So geben die einen den Key von 1A bis 12B an, die Anderen aber in 1D bis 12M. Und das das wäre noch okay, wenn 1 gleich 1 wäre. Aber dann sind die Tonarten der 1 auch noch unterschiedlich gewählt. Grundsätzlich ist das nicht schlimm, wer arbeitet schon mit verschiedener DJ-Software? Aber dennoch ist es auch nicht ganz unerlässlich und sei es nur für B2B-Jobs mit zwei verschiedenen Setups. 


Die in diesem Tutorial verwendete Software ist keine Freeware, wir werden aber auch nicht gesponsert.



1. Den Key Ermitteln

Ich empfehle die Software "Mixed in Key". Natürlich ist keine Software unfehlbar, aber dennoch ist diese Software definitiv in der Lage die exakteste Trefferleistung zu erzielen. Das Programm sieht erstmal aus, wie jeder andere Player, geht in der Analyse aber einen Schritt weiter und ist sogar in der Lage Cue-Points zu setzen und zu exportieren. Bevor aber die Analyse gestartet wird, empfehle ich, sich mit den Einstellungen des Programms auseinanderzusetzen. Hier kann gewählt werden, in welcher Notation der Key in die Tags geschrieben werden soll, ebenso an welche Stelle. Wenn man automatisch gesetzte Cue-Points nutzen möchte, ist außerdem zwingend erforderlich, dass sämtliche zu analysierenden Tracks schon vorher in der Bibliothek der DJ-Software vorhanden sind.

Nachteil der Software ist, dass sie enorm viel Arbeitsspeicher frisst. Wenn man aber die Möglichkeit hat, die Analyse beispielsweise über Nacht laufen zu lassen, stellt das kein Hindernis dar. Um die Trägheit des Programms zu reduzieren, kann man außerdem nach jeder Analyse die Tracks wieder aus der Library entfernen, die Tags sind ja dauerhaft direkt in die Datei geschrieben worden.


Grundsätzlich gilt aber auch hierbei, wie bei allem, wenn es um das Auflegen geht: nichts geht über das Gehör. Das Programm ist eine gute Unterstützung, kann aber die echte akustische Wahrnehmung nie ersetzen.


2. Die neuen Tags in der DJ-Software Sehen

Damit das Auflegen durch das unterstützt werden kann, was "Mixed in Key" so analysiert hat, muss man die ID3-Tags in der jeweiligen DJ-Software aktualisieren. In Traktor PRO funktioniert dies relativ simpel über den "Consistency Check".


3. Harmonisches Mixen

Der Teil der jetzt folgt, ist kein pauschales Rezept, das gibt es dafür einfach nicht. Alles, was folgt, sind Hinweise, Ratschläge oder Empfehlungen für die Nutzung von Tonarten beim Auflegen. Ganz unten auf der Seite findet ihr PDF-Downloads zu den hier aufgezeigten Möglichkeiten des harmonischen Mixens für jede DJ-Software, während der Erklärung werde ich allerdings die Key-Notation von "Mixed in Key" nutzen. Wer so gar keine Lust auf die Theorie hinter dem harmonischen Mixen hat, sollte direkt zu den Downloads am Ende des Beitrags wechseln.

Um zu verstehen, wie Keys überhaupt funktionieren, lohnt es sich ganz vorne anzufangen: beim Quintenzirkel.

Auf 12 Uhr fängt der Quintenzirkel bei C-Dur an. Im Uhrzeigersinn kommt jeweils ein Kreuzchen als Vorzeichen dazu, also folgen G-Dur, D-Dur, A-Dur und so weiter. Gegen den Uhrzeigersinn kommt jeweils ein b als Vorzeichen dazu, also F-Dur und folgende. Auf sechs Uhr hat man aus beiden Richtungen jeweils sechs Vorzeichen erreicht, weswegen man hier darauf verzichtet, weiter zu zählen und stattdessen mit dem anderen Vorzeichen absteigend weitermacht. Mehr Musik-Theorie wird es jetzt hier gar nicht geben, dass ist nur wichtig, damit man versteht, dass die Harmonie zwischen zwei nebeneinander liegenden Keys immer am höchstmöglichsten ist, da sich hier nur ein Vorzeichen ändert.

In der nächsten Abbildung fügen wir dem Quintenzirkel ein Farbschema hinzu.

Dieses Farbschema erleichtert die Übersicht und ist außerdem das Farbschema, welches auch im Camelot Wheel angewendet wird. Das Camelot Wheel ist von DJ Mark Davis auf Grundlage des Quintenzirkels für DJs entwickelt worden. Er war - völlig zurecht - der Meinung, dass DJs sich eigentlich die korrekten Tonart-Bezeichnungen in ihrer Komplexität gar nicht unbedingt merken müssen, sondern es einfachere Variablen auch tun würden. Deshalb ersetzte er die Tonarten-Bezeichner durch eine Kombination aus einer Zahl und einem Buchstaben, angefangen bei B-Dur, was der Bezeichnung 1B entspricht.

Die hier angewandten Farbcodes für die Keys werden in nahezu jeder DJ-Software angewendet. Aus irgendeinem Grund allerdings wird das Camelot Wheel in seiner gängigen Darstellung mit der Codierung 12 oben gezeigt, weswegen hier noch eine letzte Abbildung des Quintenzirkels, bzw. des Camelot Wheels folgt.

So weit, so gut.

Wir können am Camelot Wheel gut erkennen, welche Keys mit welchen gut mischbar sind - nahe beieinander liegende Farben sind gut kombinierbar. Eine der einfachsten und besten Möglichkeiten ist es, einfach zwischen innen und außen zu wechseln beispielsweise. Natürlich kann man auch einen ganzen Abend einfach auf demselben Key hängenbleiben, aber das Resultat klingt häufig sehr eintönig. Meine persönliche Lieblingsfaustregel lautet: Change the key after three.


Das Problem, was sich jetzt ergibt, ist Folgendes: das passt nicht immer. Nicht immer liegen die aufeinander folgenden Tracks so hübsch nebeneinander, wie man das gerne hätte. Also stellt sich die Frage nach anderen möglichen Kombinationen der Keys und die damit verbundene Wirkung. Ich habe einen Bruder, der in Musik-Theorie so gut ist, wie sonst niemand, den ich kenne - der hat mir einfach viel erklärt. Außerdem haben sich durch die ein zwei Jahre, die ich inzwischen in dem Bereich tätig bin, durchaus viele Dinge an Erfahrungen und Austausch ergeben, die mich zu dem führen, was ich gleich versuche zu erklären. Ich unterscheide zwischen einer nahezu perfekten Übereinstimmung (X), einem Energie-Boost (+/++/+++), einem Energie-Drop (-/--/---) und einem kompletten Stimmungswechsel (!). Am Beispiel von 1B sieht das wie folgt aus:

Warum 1B sich zu 1B harmonisch verhält, ist klar.

Dass das gut mit 2A harmoniert ergibt auch noch einen Sinn, bei Betrachtung des Camelot Wheels.

2B erzeugt einen Energie-Boost, weil es die nächste Tonart ist - das ist wie am Ende eines schlechten Ballermannschlagers, wenn der Refrain plötzlich nochmal kommt, und niemand weiß, warum, aber in einer höheren Tonlage.

Verrückter wird es beim Energie-Boost zweiter Stufe, also der Sprung zu 10B. Warum das funktioniert, wird deutlich klarer, wenn man sich das Original, also den Quintenzirkel anschaut: es ist der Wechsel von B-Dur in D-Dur. Beiden Tonarten laufen auf demselben Grundton - das macht den Mix möglich, aber auch komplizierter. Denn hierbei sollte immer darauf geachtet werden, dass die Melodie möglichst unkenntlich gemacht wird. Die Baseline wird aufeinander passen, aber die Melodien zu mixen wird in den meisten Fällen schief klingen und eher weh tun, als den gewünschten Boost-Effekt erzielen.

Der Energie-Boost der dritten Stufe erfolgt durch den Wechsel auf 3B - hier ändern sich zwar "nur" zwei Vorzeichen, aber der Effekt ist trotzdem stark. Dennoch gilt wie beim zweiten Level: möglichst die Melodie-Stimmen rauslassen und den Mix über die Bässe machen.

Die Energie-Drops ergeben sich letzten Endes genau antizipativ dazu, also 1B zu 1A oder 12B, zu 4B und zu 11B.

Der Stimmungswechsel funktioniert ebenso wie der Energie-Boost zweiter Stufe über denselben Grundton, nur dass dabei auch ein Wechsel von Dur zu Moll erfolgt. Hierbei ist elementar die Musik vor dem Wechsel auf so wenig Elemente wie möglich reduziert zu haben.


Das wirklich richtig Gute an der Darstellung ist Folgendes: das Ganze lässt wie eine Schablone auf dem Camelot Wheel drehen.

Die Wechsel des inneren Kreises, also aus den Moll-Tonarten heraus funktionieren ein Stück weit anders, dennoch aber auch nach dem Prinzip Schablone, heißt, wenn man sich die Wechsel in Richtungsangaben merkt, ist man in der Lage das für jeden Wert des Camelot Wheels zu errechnen.

4. Downloads

Da sich das aber niemand mal eben so merken kann - oder ich zumindest nicht -, habe ich alle Werte ich eine Tabelle übertragen. Womit wir dann auch endlich bei den Downloads angekommen wären. Ein Klick auf den Button mit dem Namen eurer liebste DJ-Software, bringt euch zu einem PDF, dass die Standard-Key-Notation dieses Programms in der Tabelle stehen hat. Die Tabelle ist außerdem farblich am Camelot Wheel orientiert, sodass es helfen kann, die farblichen Werte besser im Kopf zu behalten und im besten Fall in Zukunft intuitiv danach handeln zu können.

Ende.

Ich freue mich sehr über Fragen und/oder Anregungen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar